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12.12.07

 Schwarz-Gelber Gegenwind Online

SCHWARZ-GELBES FORUM - DEMOKRATISCHE INITIATIVE FÜR MONARCHIE UND MITTELEUROPA

          CENTRAL EUROPEAN MONARCHIST MOVEMENT

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Auf dieser Seite bieten wir Ihnen einen Auszug aus der aktuellen Nummer unserer Zeitschrift
SCHWARZ-GELBER GEGENWIND.

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“Verzichte auf alles, wenn es notwendig ist, aber verzichte niemals auf Lothringen”

In memoriam Karl I von Habsburg-Lothringen : 1922-2002.

von Jean-François Thull

Karl I von Gottes Gnaden, Kaiser von Österreich, apostolischer König von Ungarn. König von Böhmen, von Dalmatien, Kroatien, von Slavonien, Galizien, Lodomerien und Illyrien; König von Jerusalem; Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toskana und von Krakau; Herzog von Lothringen … Trotz einer kurzen Regierungszeit (1916-1918), hätte kein anderer Habsburger so viele Ehrentitel verdient, denn der letzte Kaiser von Österreich-Ungarn verkörperte die edelsten Tugenden, vereint mit einer Bindung an das Schicksal seines Volkes, ohne zu schwanken und einem unauslöschlichen Glauben inmitten einer Epoche, die dem Chaos anheimgefallen war.

 

Offizier der Dragoner des Herzogs von Lothringen und Bar

Karl von Habsburg-Lothringen wurde am 17. August 1887 in Persenbeug als ältester Sohn von Erzherzog Otto (1865-1906), Neffe von Kaiser Franz Joseph, und von Maria-Josepha von Sachsen geboren. Mit  bemerkenswerten intellektuellen Gaben und einer seltenen Energie ausgestattet, zeichnet sich Karl seit seiner frühen Jugend auch durch eine innige Frömmigkeit aus. Für eine Karriere bei der Armee bestimmt, tritt er seinen aktiven Dienst beim 7. Dragonerregiment des Herzogs von Lothringen und von Bar an. Im Oktober 1911 heiratet Karl Prinzessin Zita von Bourbon-Parma, eine Frau mit Charakter, die ihm mit Treue und Mut während der Turbulenzen des Krieges und des Exils zur Seite steht. Im folgenden Jahr wird ihr erster Sohn Erzherzog Otto in Reichenau geboren. Als Schwadronsführer zieht Karl 1912 in Schloß Hetzendorf ein.

    Das Attentat von Sarajevo im Juni 1914, dem der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand zum Opfer fällt und das den Ersten Weltkrieg auslöst, macht Karl zum direkten Nachfolger von Kaiser Franz Joseph. Zu Beginn des Krieges führt Erzherzog Karl verschiedene Missionen durch: Inspektionsreisen an die galizische Front, wo er die Feuertaufe empfängt und sich um das Schicksal der Soldaten der österreichisch-ungarischen Armee sorgt; Interventionen im deutschen Hauptquartier, wo er standhaft den Standpunkt der Doppelmonarchie verteidigt.

 

Ein Kaiser für den Frieden

Im November 1916 stirbt der alte Kaiser. Erzherzog Karl folgt auf den kaiserlichen Thron. In Budapest wird er als Karl IV. zum König von Ungarn gekrönt und empfängt die Heilige Stephanskrone. Er muß sich einer Situation stellen, die durch einen weltweiten Konflikt verkompliziert wird, der immer länger andauert. Aber statt vor der Vielfalt der Aufgaben, die sich ihm stellen, zu verzweifeln, setzt sich der neue Kaiser für die Umsetzung von zwei grundlegenden Zielen ein :

- Eine Friedenslösung für Österreich-Ungarn und für Europa zu finden.

- Die Umwandlung der Doppelmonarchie in eine Föderation der freien Völker, die auf der monarchischen ldee beruht.

    In Schönbrunn, wo die kaiserliche Familie lebt, führt Karl ein spartanisches Leben.  Er leidet darunter, die Not der vom Krieg getroffenen Bevölkerung mitansehen zu müssen. In Wien befiehlt der Kaiser, daß die Lipizzaner, die berühmten weißen Pferde der spanischen Hofreitschule, vor die Kohlewagen gespannt werden, um die Bevölkerung der Hauptstadt zu versorgen. In einer Bekanntmachung an seine Völker verkündet er : “Ich will alles tun, um in kürzester Zeit die Schrecken und Opfer des Krieges zu bannen und meinen Völkern die verlorengegangenen Segnungen des Friedens zurückzugeben (...) Ich will die konstitutionellen und alle anderen Rechte bewahren und mit Sorgfalt über die gesetzliche Gleichheit aller wachen. Von einer tiefen Liebe zu meinen Völkern beseelt, will ich mein Leben und meine ganzen Kräfte für dieses hohe Ziel einsetzen”. Wie es Otto von Habsburg ausdrückt: “Er hat als Soldat gedient, aber den Frieden verteidigt”.

    Zusätzlich eröffnet Karl im März 1917 mit Hilfe der Vermittlung seiner Schwager, der Prinzen Xavier und Sixtus von Bourbon-Parma, Unterhandlungen mit den Alliierten, um einen Separatfrieden auszuhandeln. Die Verhandlungen mit Frankreich scheitern an Sabotageaktionen, die von Clemenceau organisiert werden, dessen jakobinischer Haß den Interessen der tschechischen und serbischen Agitatoren dient, deren Ziel die Zerstörung der Habsburger Monarchie ist. So führen im Herbst 1918 die Taten der Pangermanisten, der tschechischen, italienischen und serbischen Nationalisten, welche die Destabilisierung zum Ziel haben, vereint mit dem Druck durch die Alliierten (Frankreich, England und die Vereinigten Staaten) Österreich an den Rand des Abgrundes. Im Oktober 1918 veröffentlicht Karl das kaiserliche Manifest, das die große mitteleuropäische Föderation verkündet, nach der er sich so sehr sehnt.

 

Ein Monarch  im Sturm

Konfrontiert mit einer Atmosphäre des Aufruhrs in Wien müssen das Herrscherpaar und die kaiserliche Familie am 11. November 1918 Schloß Schönbrunn verlassen, verteidigt von den Kadetten der Militärakademie, die bis zum Schluß Habsburg-Lothringen treu und ergeben blieben. Karl verzichtet provisorisch auf den Thron ohne jedoch abzudanken, um Erzherzog Otto und seinen Nachfolgern den Weg offen zu lassen. Die kaiserliche Familie flüchtet für eine Zeit in das Schloß Eckartsau in der Nähe von Wien. In der Sorge um die Sicherheit von Kaiserin Zita und den Kindern, von der Verhaftung durch die republikanischen Behörden bedroht, muß Karl Österreich mit seiner Familie verlassen, jedoch nicht ohne offiziell gegen die Ungesetzlichkeit einer österreichischen Pseudo-“Nationalversammlung” protestiert zu haben, die nach eigenem Gutdünken und einseitig entschieden hatte, die Familie Habsburg-Lothringen von ihrer Heimaterde zu verbannen : “Der Kaiser erklärt, daß alles, was durch sie geschehen ist und noch geschehen wird, von ihm als null und nichtig  angesehen wird”. Als die kaiserliche Familie Eckartsau im März 1919 verläßt, wendet sie sich in die Schweiz, mit der Hoffnung, auf helvetischem Boden ein temporäres Asyl zu finden. Stefan Zweig, der sich nach dem ersten Weltkrieg auf der Rückreise nach Österreich befindet, erinnert sich an die überraschende Begegnung mit dem kaiserlichen Hofzug im Bahnhof von Feldkirch in der Nähe der schweizerischen Grenze : “Da erkannte ich hinter der Spiegelscheibe des Wagens hochaufgerichtet  Kaiser Karl, den letzten Kaiser von Österreich, und seine schwarzgekleidete Gemahlin, Kaiserin Zita. Ich schrak zusammen : der letzte Kaiser von Österreich, der Erbe der habsburgischen Dynastie, die siebenhundert Jahre das Land regierte, verließ sein Reich ! (…) Nun stand der hohe ernste Mann am Fenster und sah zum letztenmal die Berge, die Häuser, die Menschen seines Landes (…) Die ruhmreiche Reihe der Habsburger, die von Jahrhundert zu Jahrhundert sich Reichsapfel und Krone von Hand zu Hand gereicht,  sie war zu Ende in dieser Minute. Alle um uns spürten Geschichte, Weltgeschichte in dem tragischen Anblick”.

 

Die Wege des Exils

In ihrem Zufluchtsort in Schloß Wartegg am Ufer des Sees von Konstanz, dann in Prangins im Kanton von Vaud, lebte die Familie Habsburg–Lothrigen zwei Jahre lang in Ruhe, umgeben von einigen treuen Legitimisten, wenn auch unter großen Entbehrungen : “Gesandte der Nachfolgestaaten kamen und boten dem Kaiser 184 Millionen Schweizer Franken im Austausch für eine formelle Erklärung, mit der er für sich selbst und seine Nachfahren auf die Rechte der österreichisch-ungarischen Krone vezichtete. Kaiser Karl wählte jedoch die Armut”. Unterdessen empfand Karl die dringende Notwendigkeit, auf den Ruf seiner Völker zu reagieren. Im März des Jahres  1921 unternimmt er seinen ersten Restaurationsversuch in Ungarn, aber er prallt am zynischen,  treulosen Widerstand von Nikolaus Horthy, dem ehemaligen Flügeladjutanten Kaiser Franz Josephs, ab (dieser verstand es, die von der Unterdrückung Bela Kuns ausgelösten Unruhen in Ungarn dahingehend auszunutzen, dem Land seine Macht aufzuzwingen und sich selbst als “Regent” des Königreiches Ungarn zu proklamieren), der ihn an der Grenze zwingt, umzukehren. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wird Karl gezwungen, mit seiner Familie Prangins zu verlassen und nach Luzern zu gehen. (Von dort sollte der Kaiser dann einen Ausflug in den Kanton Aargau organisieren, um seinen Kindern die Stätte des Stammsitzes der Habsburger,  die mittelalterkliche Festung der Habichtsburg, zu zeigen). Im Oktober des gleichen Jahres unternimmt Karl, diesmal von seiner Gemahlin Kaiserin Zita begleitet, seinen zweiten Restaurationsversuch. Während das Herrscherpaar sich an der Spitze einer treuen Armee und einer begeisterten Bevölkerung Budapest nähert, mobilisiert Horthy eine Miliz unter seinem Kommando, um dem triumphalen Vormarsch Widerstand zu leisten. Der Kaiser und König will kein Blut vergießen und entscheidet sich daher, mit Horthy zu verhandeln. Zweimal bricht der  “Regent” den Treueeid, den er seinem König geschworen hatte. Schlimmer noch, er selbst liefert das Herrscherpaar an den Kommandanten der englischen  Flotte auf der Donau aus. Kaiser Karl und Kaiserin Zita werden nun auf die Insel Madeira, nach Funchal, deportiert, wohin ihnen ihre Kinder folgen. Dank der Gastfreundschaft eines portugiesischen Adeligen wird ihnen eine bescheidene Villa zur Verfügung gestellt. Die Familie muß ein ungesundes Klima ertragen und primitive Lebensumstände. Der Zusammenhalt und die Eintracht, die in der kaiserlichen Ehe herrschen, ermöglicht ihnen, dieses Schicksal zu ertragen. Im Exil führt Karl seinen Sohn Otto in seine Aufgaben als Herrscher ein : “Er versuchte, uns sein Wissen zu vermitteln, als ob er seinen baldigen Tod vorausgeahnt hätte”.

 

Die Verwandlung des Kaisers

Der Kaiser ist von den Leiden des Exils erschöpft : “Ich erinnere mich, wie sehr mein Vater in den letzten Monaten seines Lebens in Madeira darunter litt, zur Tatenlosigkeit verurteilt zu sein und nicht die Katastrophe, welche die Donauländer bedrohte, abwenden zu können”,  schreibt Otto von Habsburg. Geschwächt von den Entbehrungen, die er erleidet, und den Strapazen, die er erträgt, nachdem er seine ganze Energie im Dienste für die Doppelmonarchie und seine Völker erschöpft hat, erkrankt er im Laufe des März 1922 an einem virulenten Fieber. Er benötigt Bettruhe. Sein Zustand ist am Anfang der Krankheit (Lungenentzündung) stabil, um sich dann rapide zu verschlechtern. Stoisch nimmt der Kaiser die Leiden auf sich, bis zum Schluß bestärkt von seinem starken Glauben : “Ich muß viel leiden, damit meine Völker wieder zusammenfinden”. Als er spürt, daß sein Ende naht, ruft er Erzherzog Otto zu sich und sagt zu ihm : “Ich will, daß er dabei ist. Das wird ihm ein Beispiel für sein ganzes Leben sein; er muß wissen, was in einem solchen Fall ein König, ein Katholik, ein Mann zu tun hat”. Nachdem er tapfer gegen die Krankheit gekämpft hat, übergibt er seine Seele Gott. Kaiser und König Karl I von Habsburg-Lothringen stirbt zu Mittag am 1. April 1922. In die graue Uniform eines Feldmarschalls gekleidet, das goldene Vlies auf der Brust, wird die sterbliche Hülle von Karl nach der Begräbniszeremonie in der Kapelle der Kirche von Monte, auf der Insel Madeira, aufgebahrt. Das tragische Geschick von Kaiser Karl, der Leidensweg, den er in seinem Leben beschreiten mußte, haben eine Seele, die durch das Martyrium geadelt wurde, geschaffen. Für Haß und Rachsucht unerreichbar, hat Karl von Habsburg-Lothringen das Leben eines Gerechten geführt : “Karl ist einer jener seltenen Menschen, die in einem profanen Jahrhundert ihren Pflichten die Qualität des Heilgen verleihen (…) Er kennt nur seine königliche Pflicht, für die er allein Gott Rechenschaft schuldet”. Die Beispielhaftigkeit seiner Verdienste und Tugenden bilden die Grundlage des Heiligsprechungsprozesses, der seit 1949 angestrengt wird. Eines Tages wird der letzte Kaiser nach Wien zurückkehren; er wird mit seinen Vorfahren in der Kapuzinergruft wiedervereint sein, mitten unter seinen Völkern, im Herzen des Reiches, für das er sich geopfert hat. 80 Jahre sind seit dem Begräbnis des Kaisers und Königs vergangen, aber sein historisches und spirituelles Erbe lebt weiter.

    Während Kaiserin Zita mutig und treu bis an das Ende ihres Lebens die Erinnerung an Karl aufrecht hielt, gelang es Erzherzog Otto, das Erbe, das er von seinem Vater erhielt, zu sammeln und fruchtbar werden zu lassen, sodaß sich über die Umwälzungen unserer Zeit hinaus Geist und Ideal, die seit Jahrhunderten durch den Monarchen des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation und der habsburgisch-lothringischen Doppelmonarchie verkörpert sind, weiter bestehen : “Friedensstifter dieser Welt (…), heiligt er die Verbindung von Ritter und Priester”.

Gott erhalte, Gott beschütze unseren Kaiser!

 

Übersetzung aus dem Französischen: Dr. Mona N. Schubert